PersönlichkeitsentwicklungBindungstypen erkennen: Wie sie entstehen und was sie über unsere eigene Beziehung aussagen | Catena Ruptor - die Wilde Kriegerin

19. Dezember 2022by admin0
Wir alle leben in einer Welt voller Faszination, voller Individuen und unterschiedlichen Lebensstilen. Betrachten wir die Menschen unterschiedlicher Kulturen, erkennen wir ganz klare Unterschiede. Aber auch direkt vor unserer Tür um uns herum, jeder lebt auf seine eigene Art und Weise. 
Und auch jede Beziehung ist individuell und verschieden, keine ist wie die andere. Doch immer wieder hört man von klassischen Mustern, weshalb sich (gerade toxische) Beziehungen ähneln. 
Für mich ein ganz klarer Grund einmal genauer hinzuschauen. 
Wie entstehen Bindungstypen?
Beziehungen und Erfahrungen, die man als Kind mit Bezugspersonen gemacht haben, stehen in direktem Zusammenhang mit der Art der Beziehungen, die wir als Erwachsene haben. 
Dieses Phänomen ist als Bindungstheorie bekannt und wurde von dem britischen Psychologen John Bowlby definiert. Auch, wenn jede Erziehung anders und individuell ist, gibt es dennoch vier allgemeine Arten von Bindungsstilen (mit Eigenschaften), die Bowlby identifiziert hat:

 

Der sichere Bindungstyp
  • Gesunder Kommunikationsstil
  • Kann bei Bedarf um Hilfe bitten
  • Kann Emotionen gut regulieren
Der ängstliche Bindungstyp
  • Anhänglich
  • Angst verlassen zu werden
  • Benötigt konstant Beruhigung und Bestätigung
Der vermeidende Bindungstyp
  • Hat Schwierigkeiten Emotionen zu zeigen
  • Hat Schwierigkeiten sich auf Beziehungen einzulassen 
  • Ist nicht bereit um Hilfe zu bitten
Desorganisierter Bindungsstil
  • Gemischte Stil aus ängstlichem und vermeidendem Bindungstyp
  • Hat Angst vor Ablehnung/ Zurückweisung aber Schwierigkeiten mit Intimität
  • Geringes Selbstwertgefühl
Wenn du also deinen eigenen Bindungsstil kennst, kannst du besser verstehen, warum du in deiner Beziehung so bist, wie es aktuell gerade der Fall ist.

 

Die vier Bindungstypen
Der sichere Bindungstyp
Ganz klar: der sichere Bindungstyp gilt als der gesündeste Typ von allen. Menschen mit einem sicheren Bindungsstil fühlen sich wohl, Sie sind gut mit sich selbst verbunden, was es ihnen ermöglicht, gleichzeitig authentisch, engagiert, verletzlich und unabhängig zu sein. 
Das hilft ihnen eine stabile Bindung aufzubauen, in denen sie Liebe und Zuneigung mit klarer Kommunikation geben und empfangen können. 
Wir wissen, wenn man als Kind positive Erfahrungen mit Bezugspersonen gemacht hat, verankern diese sich in unserem Unterbewusstsein, welche wir im Verlauf unseres Lebens nach außen hin verkörpern. Diese könnten zB sein:
  • Gesunde, eingeführte Routinen 
  • Das Kind ermutigen, seine Gefühle auszudrücken
  • Die eigenen Emotionen auf gesunde Art und Weise zum Ausdruck bringen
  • Eine gestärkte, sichere Haltung gegenüber Mitmenschen
  • Fehler akzeptieren und verzeihen
Und wenn wir das auf die Beziehung im Erwachsenenalter übertragen, so sehen wir eine gesunde Mischung aus:
  • Einer positiven Einstellung zu einem selbst
  • Man fühlt sich wohl dabei, Gefühle mitzuteilen und tiefergehende Fragen zu stellen oder zu beantworten
  • Gefühle sind nicht von Handlungen anderer Menschen abhängig
  • Man kann mit Meinungsverschiedenheiten oder Widersprüchen umgehen, ohne durch ein vergangenes Trauma getriggered zu werden
Der ängstliche Bindungstyp
Menschen mit einem ängstlichen Bindungsstil haben viel mehr Schwierigkeiten, sich in einer Beziehung sicher und geborgen zu fühlen als Menschen mit einem sicheren Bindungsstil. Menschen mit einer ängstlichen Bindung haben oft mit einem geringen Selbstwertgefühl zu kämpfen oder mit dem Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das kann zu einer übermäßigen Abhängigkeit vom Partner führen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen und Anerkennung zu erhalten.
Häufig hatte man bei diesem Bindungstyp als Kind entweder keine Bezugsperson oder aber wenn doch, dann mit kaum Unterstützung.
Die ständige Verlustangst ist Teil eines kindlichen Traumas, weil man zu viel und/oder zu früh alleine gelassen wurde (häufig sind auch Scheidungskinder davon betroffen) und auf sich allein gestellt war. Gerade wenn in der kindlichen Entwicklung durch Lernen einiges „schief“ läuft und man wenig Bestätigung oder Anerkennung erhält, spiegelt sich das häufig im späteren Leben wieder. 
Ängste und Unsicherheiten bestimmen die Beziehung, häufig mit folgenden Anzeichen: 
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Anhänglichkeit
  • Abhängigkeit von einem Partner
  • Probleme mit gesunden Grenzen
  • Und dennoch hat man Schwierigkeiten Vertrauen zu einem Partner aufzubauen
Vermeidender Bindungsstil
Menschen mit einem vermeidenden Bindungsstil haben ebenfalls Schwierigkeiten, gesunde Beziehungen einzugehen. In diese, Fall vermeiden Menschen emotionale Intimität oder Verletzlichkeit, was es ihnen schwer macht, grundsätzlich eine Beziehung zu anderen aufzubauen. Dieses Vermeidungsverhalten kann auf die Angst vor dem Verlassenwerden zurückzuführen sein, jedoch in den meisten Fällen mangelte es an Grundbedürfnissen (Nahrung, ein zu Hause oder nicht befriedigte Emotionen) in der Kindheit.
Gefühle wurden nicht bestätigt, es mangelte an Einfühlungsvermögen, die Bezugsperson geht nicht auf das Kind ein.. diese und viele weitere Traumata können dazu führen, dass ein erwachsener Mensch keine Beziehung eingehen will, denn er 
  • Vermeidet emotionale Intimität
  • Vermeidet sich auf Unterstützung von anderen zu verlassen
  • Unterdrückt Gefühle
  • Wenn andere eine tiefere, emotionale Beziehung eingehen möchten, empfindet man das als eine Art Grenzüberschreitung, weil die Person als anhänglich gewertet wird
Desorganisierter Bindungsstil
Ein desorganisierter Bindungsstil ähnelt sowohl dem ängstlichen als auch dem vermeidenden Bindungsstil, weist jedoch einige wichtige Unterschiede auf, weshalb dieser Stil seine eigene Gewichtung bekommt!
Die Personen können sich zwar zunächst nach Nähe zum anderen sehnen und intensive Gefühle entwickeln, diese sogar zeitweise zulassen. Aber aufgrund der Angst Verlassen werden zu können und mangelndem Vertrauen ist es wahrscheinlich, dass diese Menschen den anderen Partner von sich wegstoßen. 
In solchen Beziehungen haben die Betroffenen häufig Schwierigkeiten zu kommunizieren und Bedürfnisse zu äußern. Eine desorganisierte Bindung wird am häufigsten durch ein Kindheitstrauma verursacht. 
Wenn wir also in einem verletzlichen Alter gelernt haben, dass diejenigen, die uns schützen und für uns sorgen sollen, uns auch schaden, werden wir alle Beziehungen aus dieser Perspektive erleben. Das kann bedeuten, dass wir Missbrauch (emotionaler, körperlicher oder sexueller Art) erlebt haben oder Zeugen von Gewalt zwischen Bezugspersonen geworden sind.
Die folgenden Eigenschaften können sich also in den Beziehungen wiederspiegeln:
  • intensive, chaotische Beziehungsmuster
  • extremes Bedürfnis nach Nähe, aber gleichzeitiges wegstoßen der Partner
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Schwierigkeiten anderen zu vertrauen
  • Man denkt, man könne nicht liebenswert sein 
Doch kann ich trotzdem einen sicheren Bindungsstil entwickeln?
Ja! Denn selbst wenn die frühkindliche Entwicklung und Erziehung nicht dazu geeignet war, einen sicheren Bindungsstil zu entwickeln, ist es möglich, im Erwachsenenalter Änderungen vorzunehmen, um anschließend gesündere und erfüllendere Beziehungen zu führen.
Gerade bei kindlichem Missbrauch ist es ratsam Geschehnisse langsam aufzuarbeiten und sich Hilfe von erfahrenen und geschulten Psychologen zu holen. 
Das eigene Selbstwertgefühl muss aufgebaut werden, um die Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. Hier spielen neben dem Gesprochenen auch die Körpersprache sowie die innere Haltung eine enorm große Rolle. Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und die daraus resultierende, positive Erfahrung können deine Lebenskraft steigern und du wirst über deine Grenzen hinauswachsen. 
Auch positive, starke Partner können in der Lage sein dich zu reparieren und dir die Sicherheit als auch notwendigen Freiraum zu geben, den du für deine Entwicklung brauchst. In diesem Fall stärkt das die Beziehung ungemein und schweißt zudem zusammen. 

 

Fazit
Dein Bindungsstil wird durch die Erfahrungen bestimmt, die du als Kind mit deinen primären Bezugspersonen gemacht hast. 
Waren diese positiv, sodass du dich in die Kategorie „sicherer Bindungsstil“ einordnest, schaffst du es zukünftig und dauerhaft gesunde Beziehungen zu führen (in denen es natürlich auch mal gesunden Streit geben darf!)
Hast du während deiner kindlichen Entwicklung negatives erlebt, ist es wahrscheinlicher, dass du dich in die Kategorien „ängstliche, vermeidende und desorganisierte Bindungen“ einordnest, welche für turbulente Partnerschaften sorgen können. 
Doch selbst hier ist es möglich positive Veränderungen in die richtige Richtung vorzunehmen und zukünftig gefestigte, gesunde Beziehungen zu führen. 
Mühe machen lohnt sich, man muss es nur wollen!

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